Nina Blazon - Buchautorin - Im Bann des Fluchträgers

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5 Fragen an Christian Handel



Handel
Über www.fantasy-news.com muss ich an dieser Stelle sicher keine langen Erklärungen abgeben. Innerhalb weniger Jahre hat sich dieser Blog von Christian Handel zu einer der bekanntesten und beliebtesten Plattformen der Fantasy-Szene entwickelt. Darüber hinaus kennt man Christian als Autor von fundierten journalistischen Artikeln für tor-online.de und das Nautilus-Magazin. Inzwischen moderiert er zudem auf der Leipziger Buchmesse die Fantasy-Nacht des Piper Verlags, und als wäre das alles nicht schon lebensfüllend genug, trat er im vergangenen Jahr auch als Herausgeber, Übersetzer und Lektor in Erscheinung. In der Anthologie "Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln" vereinte er Märchen-Fantasy von namhaften Autoren. Im September erscheint im Verlag Drachenmond nun sein erster Roman, der den wunderbar düsteren Titel "Rosen und Knochen" tragen wird.



Lieber Christian, wie hast du dir in deinem sehr ausgefüllten Alltag Raum für deinen Roman geschaffen und wie hat es sich angefühlt, zum ersten Mal ein Buch zu schreiben?
Bücher schreiben will ich seit meiner Kindheit. Eigentlich. Wie vielen anderen auch kam mir der Alltag dazwischen. Ich hab mich auf das Bloggen und andere Dinge konzentriert und das aus den Augen verloren, was (für mich) für das Schreiben unglaublich wichtig ist: Disziplin. In diesem Zusammenhang möchte ich kurz meine Verlegerin Astrid Behrendt zitieren: "Wunder kommen nur zu denen, die daran glauben. Und wenig schlafen."
Im Lauf der Jahre gab es mehrere erfolglose Anläufe, ein Romanmanuskript zu verfassen. Vor eineinhalb Jahren habe ich mich dann selbst an den Ohren gezogen und mir gesagt: Du ziehst das jetzt durch. Also habe ich mir überlegt, wie ich mir selbst Freiraum zu Schreiben schaffen kann - und herausgefunden, dass es für mich sehr gut funktioniert, eine Stunde früher als üblich aufzustehen und noch vor der Arbeit zu schreiben. Zuvor war es so, dass ich oft abends nach Hause kam und zu müde zum Schreiben war, und das hat mich gefrustet. Jetzt klingelt zwar der Wecker früher, aber wenn ich nach Hause komme, freue ich mich, dass ich morgens bereits geschrieben habe. Manchmal beflügelt mich das dazu weiterzuschreiben. Außerdem hilft es, dass mehrere gute Freunde von mir schreiben und wir uns regelmäßig zum Quatschen & Schreiben treffen (natürlich nicht gleichzeitig). Und die Erkenntnis, dass nicht jeder Satz von Anfang an perfekt sitzen muss. (Ich liebe die Überarbeitungsphase!)
Wie es sich angefühlt hat, zum ersten Mal ein Buch zu schreiben? Berauschend! In dem Moment, in dem die Geschichte bzw. die Figuren unter den Fingern zum Leben erwachen - es gibt nichts Besseres, habe ich recht?

Aber ja! :-)
In deinem Roman verwebst du Elemente verschiedener Märchen und interpretierst klassische Figuren auf ganz neue und überraschende Weise. Was fasziniert dich besonders an Märchengestalten und -motiven? Hast du ein Lieblingsmärchen?

Das Magische, und zwar schon seit meiner Kindheit. Aber auch das Emotionale. Im Märchen geht es (meist) nicht um den ultimativen Kampf des Guten gegen das absolut Böse. Die Konflikte sind persönlicher. Frauen ziehen aus, um ihre Ehemänner oder Brüder von Flüchen zu erlösen und erblindete Prinzen irren auf der Suche nach ihrer wahren Liebe durch die halbe Welt.
Märchenadaptionen eröffnen uns die Möglichkeit, die Archetypen der alten Geschichten als Menschen kennenzulernen. Warum ist Schneewittchens Stiefmutter so besessen von Schönheit? Weshalb fordert Rumpelstilzchen als Bezahlung von der einstigen Müllerstochter ihr Kind? Meist eröffnen solche Überlegungen das Tor zu ganz neuen, phantastischen Geschichten.
Natürlich habe ich Lieblingsmärchen. Eines davon ist Die Gänsemagd, obwohl ich dir gar nicht genau sagen kann, warum das so ist. Vermutlich liegt es an seiner Dramatik. Ich bin mir aber recht sicher, dass ich es bald herausfinden werde, denn kürzlich habe ich mit einer Adaption begonnen.

Wie kamen deine zwei Hauptfiguren mit ihren so besonderen Hintergrundgeschichten zu dir?
Meine Protagonistin und ihre Kampfgefährtin traten als spontane Eingebung in Erscheinung. Was wäre, wenn Schneeweißchen und Rosenrot es mitten in den Wäldern mit dem Poltergeist einer Hexe zu tun bekämen? Die Frage war plötzlich da und eine Antwort wollte gefunden werden. Relativ schnell war mir klar, dass die beiden bei mir keine Schwestern sein sollten, sondern ein Duo Dämonenjägerinnen, die in einer pseudomittelalterlichen Märchenwelt von Auftrag zu Auftrag zogen. Die Hintergrundgeschichten der beiden lernte ich aber erst beim Schreiben kennen. Als ich die beiden miteinander interagieren ließ, als Muireann und Rose begannen, sich zu unterhalten, wurden sie zu den Charakteren, die sie jetzt sind. Und auch wenn ihr Abenteuer in sich abgeschlossen ist, hoffe ich, dass ich sie in Zukunft noch besser kennenlernen darf.

Was können uns Märchen in der heutigen Zeit sagen und geben?
Oft wird behauptet, Märchen hätten vor allem Warnfunktion: Komm nicht vom Wege ab; Hochmut kommt vor dem Fall; vertrau keinem Fremden. Natürlich stecken diese moralischen Botschaften in den alten Geschichten.
In den meisten meiner Lieblingsmärchen steht aber eine andere Botschaft im Vordergrund: Kämpfe für das, was dir wichtig ist, aber geh dabei nicht über Leichen.
Man denke nur an Allerleirauh, die lieber aus ihrem königlich-goldenen Käfig flieht, als sich von jemand Mächtigerem brechen zu lassen; an Hans im Glück, der darauf pfeift, was andere Leute für wichtig und sinnvoll erachten und seine eigene Art und Weise findet, zufrieden zu leben, oder an Aschenputtel, die sich nicht etwa nach einem Prinzen sehnt, sondern einfach nur nach einer Pause von der täglichen Schufterei und deshalb Mittel und Wege findet, das Tanzbein zu schwingen.
Es lohnt, sich mit den alten Märchen und Mythen zu beschäftigen und zu sehen, auf welche Weise sie etwas in einem berühren und welche persönlichen Wahrheiten sie uns offenbaren.

Ganz schnell und spontan: Welche drei FairyTale-Fantasy-Bücher würdest du jedem Leser ans Herz legen?
Die Tochter der Wälder von Juliet Marillier, eine Adaption von Die sechs Schwäne, die im keltischen Irland spielt und die ein wunderbarer historischer Fantasyroman ist.
Echte Feen, falsche Prinzen von Janette Rallison, eine der witzigsten Romantikkomödien, die ich jemals gelesen habe und die ich immer wieder gern lese.
Und
Tausend Nächte aus Sand und Feuer von Emily Kate Johnston, eine stimmungsvolle, feministische und überraschende Adaption des Sheherazade-Motivs.

Oh ja, Tausend Nächte aus Sand und Feuer hat mich auch absolut begeistert! Lieber Christian, vielen Dank für diese spannenden Antworten!

Quadrat News 19.10.17

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Impressum: Nina Blazon, USt-IdNr.: DE227815019, c/o: Lese-Agentur Sabine Fecke, Meisenweg 10, 70565 Stuttgart
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